HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Vereinsnachrichten

Kontinuität im Wandel

Liebe Leserin, lieber Leser,

keiner von uns fängt am Nullpunkt an. Man kann eigentlich nie von vorn beginnen, denn wir sind von längst vergangenen Anfängen geprägt und gezeichnet. Diese Lebenserfahrung prägt auch den gegenwärtigen Umbruch in der Leitung unserer HOG Schäßburg. Alte, bewährte Leitungsmitglieder treten zurück, neue Gesichter treten in die erste Reihe. Dieser Übergang als Abschied und Neubeginn erinnert mich an eine alte Geschichte, die von einem weisen Mann erzählt, der unterwegs eines Tages einen Landbauern sah, wie er einen Johannisbrotbaum pflanzte. Er fragte ihn: „Nach wie vielen Jahren trägt dieser Baum Frucht?“ Der Landbauer erwiderte: „Nach siebzig Jahren.“ Da fragte der weise Mann den Landbauern: „Bist du überzeugt, dass du noch siebzig Jahre leben wirst?“ Jener antwortete: „Ich habe Johannisbrotbäume auf der Welt vorgefunden, die meine Vorfahren für mich pflanzten, ebenso will ich etwas für meine Nachkommenschaft tun.“
Wir alle leben von Vorgaben. Die vor uns waren, haben für uns gearbeitet, warum sollte ich also meinerseits nicht für die Zukunft arbeiten. Als in der Zerstreuung lebende Zeitgenossen wollen wir durch das gesellschaftliche und nachbarschaftliche Zusammenwirken einander ergänzen. In diesem Sinne danken wir den Gründungsmitgliedern der HOG Schäßburg, die mit Prof. Dr. Heinz Brandsch und Walter Lingner, um nur zwei Namen stellvertretend für viele zu nennen, die Grundlagen für unsere Arbeit gelegt haben. Wir stehen gleichsam auf ihren Schultern und versuchen das weiterzuführen, was sie gut begonnen bzw. gepflanzt haben.
Wenn wir nun unseren Blick gemeinsam in die Zukunft richten, stellen wir fest, dass wir diese Arbeit in und für die HOG Schäßburg unter neuen, veränderten Vorzeichen beginnen werden. Das 16. Sachsentreffen in Birthälm (16. Sept. 2006) stand unter dem Motto: „Wir in Europa“. Am 29. September 2006 wurde nach einer sechsjährigen Anbahnung die Städtepartnerschaft Schäßburg – Dinkelsbühl offiziell besiegelt. Dabei wurden alle Organisationen, Verbände, Einrichtungen und Einzelpersonen eingeladen, „Zukunft zu gestalten“. Nicht zuletzt schaffen die Rückgabeaktionen, welche die Evangelische Kirchengemeinde betreffen, in Schäßburg neue Tatsachen, die im Blick auf diese Zukunft berücksichtigt werden müssen. Was das alles für unsere HOG-Arbeit konkret bedeuten wird, kann ich heute nicht voraussagen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die HOG ihr zukünftiges Profil aufgrund dieser neuen politischen sowie gesellschaftlichen Konstellation neu bewerten bzw. weiter entwickeln wird. Unsere Zukunftsaufgabe wird auch darin bestehen, diesen beginnenden Wandel verantwortlich zu begleiten und mit zu gestalten. Wir werden eine den Menschen zugewandte Arbeit im Sinne von „ Menschen vor Mauern“ fördern sowie dem Anliegen „Versöhnung und Dialog“ eine wichtige Rolle einräumen. Wir werden eine objektive Erinnerungskultur weiterhin pflegen und voranbringen, die Zusammengehörigkeit fördern, ohne die Integration hier in der Bundesrepublik Deutschland zu vernachlässigen, und wir werden die Evangelische Kirchengemeinde und das Forum der Deutschen in Schäßburg in ihrem jeweiligen Selbstverständnis auf ihrem Weg ermutigen und stärken. Auf diese Weise werden wir nicht nur Vergangenheit verarbeiten, sondern Gegenwart leben und damit helfen, den gesellschaftlichen Wandel mit zu gestalten.
Anfänge sind insoweit immer zeitlich und inhaltlich zu verstehen. So werden wir die uns aufgetragenen Aufgaben wach, bereit und mit einer stets willigen Offenheit beginnen und weiterführen.

Dr. August Schuller, Brühl

 


 

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Letztes Update: 2007-03-04 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg